Meisterliches mit zwei hübschen Damen

Neujahrskonzert in Thannhausen lässt wieder keine Wünsche offen

Keineswegs nur etwas für das Gehör, sondern im Besonderen diesmal auch für das Auge bot das diesjährige Neujahrskonzert der Raiffeisenbank Thannhausen sowie der Dr.-Georg-und-Lu-Zimmermann-Stiftung aus der Reihe „Meisterwerke der Kammermusik“ in der wiederum restlos ausverkauften Aula der hiesigen Anton-Höfer-Grundschule. Und das hatte seinen Grund darin, dass zwei der vier Mitwirkenden, die Sopranistin  Sophia Brommer und die erst 23-jährige Cellistin Raphaela Gromes, das Publikum nicht zuletzt ihres aparten Aussehens wegen in Entzückung versetzten. Und so meinte denn einer der Besucher, auf letztere gemünzt scherzhaft: „Da wäre man am liebsten selbst Cello.“

Vier Meister ihres Fachs
Vor allem aber entpuppten sich die vier ausnahmslos weltweit anerkannten Interpreten erwartungsgemäß als große Meister ihres jeweiligen Fachs. Neben den beiden genannten Damen war dies Julian Riem, der perfekt zu begleiten verstand und auch solistisch, etwa bei Fréderic Chopin´s extrem schwer zu spielendem Scherzo b-moll, das er mit einem Höchstmaß an Leidenschaft zur Gänze auswendig vortrug, Finger wie Hände technisch brilliant von rechts nach links und umgekehrt über die Tastatur galoppieren ließ. Und da war natürlich auch noch der „spiritus rector“ dieser Veranstaltungsreihe, der aus Thannhausen stammende Harald Harrer, der auf seinem angestammten Instrument, der Klarinette, einmal mehr seine große Klasse bewies.

Hochkarätiges in der Provinz
Herbert Klein, seines Zeichens Vorstand der mitveranstaltenden örtlichen Raiffeisenbank, hatte eingangs nicht zu viel versprochen, als er zu verstehen gab, dass auf die Gäste heute ein wahrer Leckerbissen warte, dargeboten von Akteuren aus der „allerersten Liga“ im Rahmen eines außergewöhnlichen Programms. Nicht nur in den Metropolen dieser Welt, sondern auch im eher beschaulichen Thannhausen sei mitunter eine solch hochkarätige Musik zu vernehmen, womit die Raiffeisenbank wieder einmal aufzeige, dass ihr auch kulturelle Beiträge sehr am Herzen liegen.

Ein erlesenes Programm
Der erste Teil des Abends gehörte neben besagtem Werk von Chopin dem „Hirt auf den Felsen“ für Sopran, Klarinette (quasi als Schalmei des Hirten) und Klavier von Franz Schubert sowie dem gerade durch seine Leichtigkeit und Heiterkeit bestechenden Trio B-Dur, besser bekannt als „Gassenhauer Trio“ von Ludwig van Beethoven. Da mochte man zutiefst bedauern, dass Chopin und Schubert zusammengenommen gerade einmal 70 Jahre alt geworden sind. Was hätten die beiden nicht noch komponieren können, wäre ihnen ein längeres Leben beschieden gewesen?
Nach der Pause wurde zunächst Gioachino Rossini gehuldigt – in seiner „Arie der Rosina“ für Sopran und Klavier aus dem „Barbier von Sevilla“ und anschließend in Bohuslav Martinu´s genialen Variationen über ein Thema von Rossini für Violoncello und Klavier. Weiter ging es mit einer Selection aus Engelbert Humperdinck´s „Hänsel und Gretel“ für Violoncello, Klarinette und Klavier, wobei natürlich auch das berühmte „im Walde stehende Männlein“ anklang. Der Cellistin Raphaela Gromes war nicht nur dabei anzusehen, dass sie in die von ihr intonierte Musik geradezu verliebt zu sein scheint.

Ein „Ohrwurm“ als Zugabe
Dann wurde es eher operettenhaft – mit Robert Stolz´ „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ sowie Franz Lehár´s „Meine Lippen, sie küssen so heiß“, jeweils für Sopran und Klavier, ehe zuletzt alle vier Interpreten zu einem Ausflug in die Oper in Form eines Arrangements aus „La Traviata“ von Giuseppe Verdi inklusive des berühmten Trinkliedes gemeinsam die Bühne betraten, wobei man sich durchaus ein wenig in die Arena von Verona versetzt fühlen konnte. Das neapolitanische Volkslied „Funiculi – Funicula“, ein wahrer „Ohrwurm“, beschloss als Zugabe ein Konzert, an das man sich noch gerne und lang zurückerinnern dürfte.

Text und Bild: Günther Meindl

Von links Harald Harrer, Julian Riem, Sophia Brommer und Raphaela Gromes.